Nachwuchs beim Offenburger FV: Optimal fördern und fordern 


Die Jugendarbeit ist das Aushängeschild des Verbandsligisten Offenburger FV. Obwohl der Markt äußerst umkämpft ist, hat das Nachwuchskonzept des Traditionsvereins von der Badstraße bereits in England und Japan Interesse geweckt.

Gareth Bale, Alex Oxlade-Chamberlain, Theo Walcott: Alle drei kommen aus der Jugend des FC Southampton. Was das mit dem Offenburger FV zu tun hat? Das Fördergruppen-Programm des OFV als Kooperationsverein des SC Freiburg hat sich so weitläufig herumgesprochen, dass sich sogar der englische Premier-League-Club mit der guten Nachwuchsarbeit dafür interessierte – wie zuvor auch schon der japanische Fußballverband, der nach einem Besuch in Offenburg sein Jugendsystem nach diesem Vorbild umstrukturieren möchte.

 »Das macht uns natürlich stolz«, sagt Dominik Hildebrand, Jugendkoordinator beim OFV: »Und es zeigt, dass wir gute Arbeit leisten.« Abseits der ersten Mannschaft, die in den vergangenen Jahren mit kurzen Oberliga-Besuchen meist in der Verbandsliga spielte, wird aus ganz Südbaden nach Offenburg geschielt: Im zweiten Jahr nacheinander sind die U19, U17 und U15 in der Oberliga Baden-Württemberg vertreten, die U15 gar zum sechsten Mal in Folge. »Die Oberliga macht uns für den SC Freiburg zu einem attraktiven Kooperationspartner«, sagt Hildebrand.

 

 Ballschule und Technik 


Schon früh greift das Scouting-Konzept des OFV und SC Freiburg in den Bezirken Offenburg, Baden- Baden, Freiburg und Freudenstadt. Nach den Füchsletagen könnten talentierte Spieler von der U10 bis U12 zum wöchentlichen Fördergruppen-Training kommen, wo in der Halle die Ballschule und Technik im Fokus stehen. Die OFV-Teams spielen ab der U11 jeweils ein Jahrgang höher, das heißt, der ältere EJugend- Jahrgang als D2 bereits auf D-Junioren-Feldgröße, der junge D-Jugend-Jahrgang ist die D1 in der D-Junioren-Bezirksliga und der ältere D-Jugend-Jahrgang der U13 ist die C3 in der Bezirksliga, die somit bereits ein Jahr früher auf dem Großfeld spielt. »Dies bringt automatisch mit sich, dass sich unsere Spieler bis zur U15 mit ein bis zwei Jahre älteren Gegenspielern messen müssen. Somit können wir auch garantieren, dass sich kein Talent auf seinen Lorbeeren ausruhen kann, sondern immer optimal gefordert wird. Dazu gehört es dann auch, mal ein Spiel zu verlieren.« Zusätzlich gibt es bei der U13 und U14 eine zusätzliche Leistungseinheit pro Woche, »bei der auch Spieler dazukommen, die es nicht auf Anhieb zum OFV oder nach Freiburg geschafft haben, um diese möglicherweise für die U15 im Blick zu behalten«, sagt Hildebrand und verweist zudem auf die Kooperation mit dem Oken-Gymnasium und der Theodor-Heuss-Realschule. Dort trainieren Fünftklässler im Rahmen eines Schulprojekts vier Stunden pro Woche, Sechstklässler zwei Stunden pro Woche unter Anleitung von OFV-Trainern und Verbindungslehrer Sascha Ruf.

 

 Talentsichtung 


»Das Ziel dieser Maßnahmen ist erstens Talentsichtung und zweitens auch, den Spielern eine gute Ausbildung zu gewährleisten und so den Fußball in der Ortenau zu stärken. Dass wir sehr gute Arbeit leisten, bestätigt auch der Schnitt von sechs bis acht Spielern, die pro Saison den Sprung zum Sportclub schaffen«, sagt Hildebrand. 

Während die U15 als Siebter und die U17 als Zehnter noch alle Chancen auf den Klassenerhalt haben, dürfte es die A-Jugend mit nur einem Punkt relativ schwer haben. Für Hildebrand ist das aber kein Umstand, der den OFV als die Ausbildungs-Adresse Nummer eins in Südbaden abstufen würde: »Ich kenne keinen Verein, der so konsequent auf Jugendarbeit im Leistungsbereich setzt. Und für die U19 ist es immer schwierig, Spieler zu halten, ob wir nun Oberliga oder Verbandsliga spielen, weil da die Seniorenteams meist schon Geld bezahlen. Da müssen wir eben mit dem Argument kommen, dass bei uns die Entwicklung und Ausbildung zu dem Zeitpunkt noch nicht zu Ende ist.

« Spieler wie Dimitrios Tsolakis oder Stefano Anzaldi seien aktuell die besten Beispiele, dass man sich auch beim OFV in Richtung erste Mannschaft durchsetzen könne. Fabian Feißt oder Sinan Süme hingegen sammelten erst Spielpraxis in der Landes- und Verbandsliga, um dann wieder nach Offenburg zurückzukehren. Bei jedem Ortenauer Verbandsliga-Team stehen zudem Spieler im Kader, die schon beim OFV waren. Geldgeber fehlen

Für Hildebrand ist die Jugendarbeit der Weg, um im immer umkämpfteren Fußballmarkt auch in Zukunft zu bestehen. In Nordbaden würden sich neben 1899 Hoffenheim und dem Karlsruher SC Vereine wie Astoria Walldorf, der SV Sandhausen oder Waldhof Mannheim um Spieler streiten. Das Problem hat der OFV nicht, sagt Hildebrand: »Aber dort stehen andere Sponsoren und Geldgeber dahinter, die uns im Jugendbereich fehlen, um uns noch professioneller aufzustellen. Bei diesen Vereinen sind beispielsweise die Jugendtrainer ab der C-Jugend vollberuflich angestellt, bei uns bekommen die Trainer ein Taschengeld und stehen mehrmals in der Woche auf dem Platz, um die Oberliga zu halten. Da kann ich vor jedem nur den Hut ziehen. Immerhin konnten wir einen kleinen Schritt in Richtung Professionalität bereits erzielen, da wir zukünftig unsere Spiele und Trainings aufzeichnen, um Videoanalysen durchzuführen.«

 vom 13.02.2018 Baden-Online Nico Feißt